Freitag, 11. Juni 2021

Big Sur

 21.03.2010, Sonntag

Bevor wir heute weiterfuhren, suchten wir im Ort ein Internetcafe. Wir hatten uns im Supermarkt Tracfones gekauft, die mussten nun im Internet freigeschaltet werden. Leider hat das nicht funktioniert, unsere Handys, 2010 waren das noch diese uralten Tastentelefone, funktionierten hier auch nicht. Ich war mal wieder beunruhigt, wusste aber auch keinen Rat. Dann musste es eben ohne gehen!

Der heutige Fahrweg auf dem Highway One führte uns über einen sehr schönen, aber auch den spektakulärsten Abschnitt. Es ging auf gefühlt sehr schmaler Strasse bergauf, dann wieder bergab, rechts die Berge, links der Abgrund. Für mich war das die absolute Hölle, es war kräftezehrend und jede kleine Schotterhaltebucht war meine. Ich musste einfach häufig diese Minipause haben, um mich von der Angst zu erholen. Das Gute war dann immer, der PKWstau hinter mir löste sich auf, und alle Fahrer waren dankbar, dass ich sie vorbeiliess. Wenn die wüssten!

Philip war sehr verständnisvoll und hat gemeint, ich soll so oft anhalten, wie ich möchte. Dazu hat er mich immer mit Getränken versorgt, die Flaschen immer wieder aufgefüllt, und um meine Nerven zu beruhigen, reichte er mir häufig einen Schokoriegel. Oder eine Banane.



Ein wunderbarer Parkplatzstopp mit herrlicher Aussicht!



Die kalifornische Küste entlang des Highway One ist wunderschön, spektakulär und einmalig!

Auch Philip erliegt dem Charme der Squirrels! Fütterung ist angesagt, obwohl ich der Meinung bin, die finden ihr Futter auch allein.





Wir fahren weiter auf einem Streckenabschnitt, der mal nicht ganz so schlimm ist, und den ich auch geniessen kann.







Aber schon bald wird es wieder steiler und ich fühle mich wieder extrem unwohl!

Jetzt kommt auch noch eine blöde Baustelle, rechte Fahrspur gesperrt, ich muss auf die linke Spur, also am Abgrund fahren! Die absolute Hölle für mich!

An dieser Ampel amüsiert Philip sich ausnahmsweise etwas über mich: wir müssen bei Rot stehenbleiben, direkt am steilen Berg. Handbremse ist angezogen, es kann ja soweit nichts passieren. Trotzdem sitze ich nach vorne gebeugt, damit wir nicht nach hinten wegrollen. Philip grinst! Ehrlich, so eine Urlaubsfahrt durch Berge mache ich nie wieder!

Endlich wieder eine Haltebucht! Diesmal steigen wir auch aus und vertreten uns die Beine. Eigentlich ist auch Essenszeit, also mache ich den Vorschlag, dieses hübsche Restaurant zu nutzen.

Es liegt spektakulär an dieser Küste mit einer tollen Aussicht!

Wir setzen uns auf die Terrasse und geniessen erstmal den Weitblick.

Dann guckt Philip mal in die Karte und meint, wir sollten vielleicht lieber zum Auto zurückgehen.

Erst dachte ich, die Auswahl in der Karte wäre vielleicht zu gering. Aber es waren eher die horrenden Preise, die ihn abschreckten. Nach kurzer Überlegung bin auch ich der Meinung, das muss nicht sein. Wir stehen auf und gehen wieder.

Tja, manchmal bezahlt man die schöne Aussicht mit.











Auch diese Brücke habe ich bezwungen.

Aber sieht sie von weitem nicht schön aus?




Wir sind eigentlich schon kurz vor unserem nächsten Übernachtungsziel, aber die Blase drückt. 

Deswegen machen wir Pause auf einem weiteren schönen Rastplatz.







Dann erreichen wir den Big Sur State Park, wir buchen eine Nacht und suchen unseren Stellplatz. 








Mitten im Wald, mitten in der Natur, hinter uns ein Fluss, den wir rauschen hören. Wir sind begeistert! Jeder Platz hat eine Feuerstelle , Feuerholz bekommt man vorne in der Lodge. Wir könnten also rein theoretisch heute abend grillen, aber dafür haben wir nicht eingekauft.

Nachdem wir alles angeschlossen und abgeleitet haben wollen wir einen Spaziergang, oder vielleicht schon eine kleine Wanderung machen.











Wir sind kreuz und quer durch den Wald und über das Campinggelände gegangen, wobei Campinggelände eigentlich nicht der richtige Ausdruck ist. Wir sind im Wald, in einem geschützten State Park, und überall in der Natur sind kleine Flächen als Stellplätze. Keine künstlich angelegten Wege, nur Waldwege. Nur vorne an der Lodge gibt es natürlich die Zufahrtsstrasse und Parkplätze.














Den Baum kann man nicht mit den Riesenmammutbäumen wie z.B. im Kings Canyon vergleichen, aber der Durchmesser ist auch schon ganz beachtlich.

Nach unserem ausgedehnten Spaziergang kommen wir bei der Lodge wieder raus und ich habe grossen Hunger. Philip meint, hier zu speisen wäre vielleicht auch etwas zu teuer. Aber ich finde, wir haben es uns heute verdient! Wir essen beide einen sehr leckeren fast gesunden Burger, bei dem auch das Brötchen selbstgemacht scheint, und sind hochzufrieden. Nur das Wasser schmeckt hier sehr chlorig, das kann ich nicht trinken.

Nun ist es spät geworden und wir beschliessen den Abend.



Mittwoch, 26. Mai 2021

Richtung Morro Bay

 20.03.2010

Ich war recht früh wach und ging schon mal in Ruhe duschen. Die waren komfortabel und sauber. Danach war ich aufgewärmt, denn nachts war es unheimlich kalt.So früh am Morgen waren die Temperaturen auch noch nicht so, um gemütlich draussen zu frühstücken. Aber drinnen im RV konnten wir entspannt sitzen, nach draussen gucken und langsam wach werden.

Nach dem ausgedehnten Frühstück und aufräumen und abwaschen verliessen wir den ersten CG unserer Reise, fuhren wieder ein Stück zurück in den Ortskern von Ventura, wir wollten uns hier noch ein wenig umsehen. Etwas schwierig wurde die Parkplatzsuche. Schon für PKW gab es nicht soviele Parkplätze, ganz zu schweigen für ein Wohnmobil. Wir hatten dann aber Glück, und fanden einen ausreichend grossen Parkplatz an einer Strasse, direkt neben einem Park im Ortskern.


Es war nicht soviel los in Ventura, war wohl zu früh!



An diesem schönen Park hatten wir das RV abgestellt.


Ein wunderschöner Baum im Park.

Dann gingen wir zum Pier von Ventura, und überquerten auf dem Weg den Hwy 101.


Der Pier war schon ganz schön in die Jahre gekommen, das Holz war alt und verwittert. Aber es war trotzdem eine schöne Atmosphäre dort und wir hatten einen schönen Blick zurück auf Ventura.



Links vom Pier konnten wir in der Ferne etliche Surfer sehen.

 
















Auf dem Rückweg zum RV hatten Philip und ich uns getrennt, ich hatte mir ein bisschen die Schaufenster der Läden angesehen und Philip war in einem Antiquitätenladen verschwunden.

Zurück kam er dann mit Inlinern an den Füssen, gebraucht gekauft. Damit wollte er sich dann auf den Campgrounds abends ein wenig die Zeit vertreiben.



Kurze Zeit später fuhren wir wieder auf der 101 Richtung Montecito. Wir kamen an einer State Trooper Control vorbei, zum Glück wollten die nichts von uns.

Während ich so weiter fuhr, hatte Philip seine Nase in der Strassenkarte. Als wir Montecito erreichten, fragte er, ob wir eine Abkürzung fahren könnten, die 101 macht einen grösseren Bogen nach links, wir würden über die Abkürzung mehr oder weniger geradeaus fahren und kämen noch an einem See vorbei, dem Lake Cachuma.

Ich fand die Idee super und bog ab.

Und damit nahm das Unglück für mich seinen Lauf. Wir fuhren auf einer State Road, sehr schön durch die Natur, aber ziemlich schnell ging es ordentlich bergauf und mir wurde etwas mulmig.

Ich habe doch ein bisschen oder auch ganz viel Höhenangst. Und Philip hatte nicht erwähnt, dass der Weg über den San Marcos Pass führte!

Irgendwann wurde es wieder besser, wir waren ja auch schon genug nach oben gefahren, aber dann hat es mich so richtig gepackt! Und das war dann fatal für den restlichen Urlaub!

Hier führte die Strasse moderat wieder runter vom Pass, aber bald nach der Kurve ging die Strasse über in eine hohe Brücke über einem Tal.

Und da war es dann ganz aus, vor lauter Schreck über diese Höhe, in der Fremde in einem fremden grossen Auto, bin ich in Panik geraten. Schweissausbruch, Zittern und die Hände total verkrampft am Lenkrad. Kurz hatte ich das Gefühl, ich werde ohnmächtig. Das war aber zum Glück ganz schnell vorbei. Ich habe nur noch innerlich gebetet, dass gleich eine Haltebucht kommt!






Zum Glück kam gleich nach der Brücke ein komfortabler Rastplatz, Blinker raus und abgefahren. Ich stieg mit zitternden Knien aus und musste mich erstmal beruhigen. Philip sah mich verständnislos an, weil er nicht wusste, was los war. Kurze Erklärung, er hat dann versucht, mich zu beruhigen, und mir ging es dann auch schnell besser. Das Problem war dann nur, dass ich Angst vor der Weiterfahrt hatte. Es kamen mit Sicherheit noch mehr Brücken und Höhen.

Während der Pause hab ich das aber erstmal verdrängt und hab mir die Gegend angesehen. In der Ferne konnten wir einen See erkennen, vielleicht der Lake Cachuma?

Das sollten wir nie erfahren, denn ich wollte erstmal nur noch sicher aus den Bergen hier raus und wieder zur Küste. Philip hatte supergrosses Verständnis und war mit allem einverstanden.

Ich fuhr vorsichtig mit zitternden Knien weiter, bis wir wieder unten auf der 101 waren. Da konnte ich mich endlich entspannen und während der Fahrt auch wieder die Gegend geniessen.

Leider fiel mir nun auch eine beleuchtete Kontrollleuchte auf dem Display auf. Ein Motorblock, und nun? Anhalten, Hilfe holen, weiterfahren? Philip war für weiterfahren, da keine ungewöhnlichen Geräusche zu hören waren.

In der Nähe von San Luis Obispo fuhren wir eine Tankstelle an, haben erstmal vollgetankt und dann in der angrenzenden Werkstatt um Hilfe gefragt. Leider konnten die uns nicht helfen, aber wir durften dort das Telefon benutzen und El Monte anrufen. Philip hatte mit seinem guten Englisch das Gespräch geführt und bekam die Antwort, die Leuchte stellt kein Problem dar. It's a problem, when it's change to flashing!

Ok, wenn die Kontrollleuchte blinkt, statt nur zu leuchten, dann wird's kritisch. War ich beruhigt? NEIN!

Wir fuhren trotzdem weiter, ich angespannt, Philip heiter!



Am späten Nachmittag waren wir schon in der Nähe von Morro Bay, dort wollten wir uns den nächste CG suchen. 

Das Wetter wurde schlechter, sehr neblig, zeitweise regnete es etwas.







Es gab hier zwei Campgrounds, einer direkt am Strand, der Morro Dunes. Leider hatte der keinen Stellplatz mehr frei. Dafür entdeckte ich vom Office aber eine RV-Werkstatt, direkt auf dem Gelände. Ich sprach das Problem mit der Leuchte an und der nette Herr in der Werkstatt konnte mich beruhigen, das wäre wohl nur ein Chipfehler oder so. Jedenfalls wohl erstmal kein ernstes Problem.


Wir bekamen dann einen Stellplatz auf dem CG weiter vorne zur Strasse hin, aber immer noch ruhig gelegen, auf dem Morro Strand RV Park. 

Bis zum Strand waren es wirklich nur 4 Minuten zu Fuss.

Blick vom CG Richtung Ort.

Hier ging jetzt jeder von uns seiner eigenen Wege. Ich wollte zuallererst an den Strand, um den Kopf frei zu kriegen von dem Stress heute.





Philip's Impressionen rund um den CG.




Es war sehr diesig und neblig am Strand, man konnte garnicht weit sehen. Trotzdem fand ich es sehr entspannend und lief einige Zeit durch den Sand und ans Wasser.













Dieses Foto ist am nächsten Morgen aufgenommen. Am Abend war der Nebel so stark, dass der Morro Rock überhaupt nicht zu sehen war!